Prominente Stimmen zu Teilzeitarbeit

Was sagen Prominente zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

 

Alain Berset, Bundesrat

«Gleichwertige Möglichkeiten für Frau und Mann, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, sind nicht nur wichtig für die Wirtschaft, sondern eine Voraussetzung für die Chancengleichheit der Geschlechter. Einerseits sollen Frauen und Männern die Möglichkeit haben, neben der Erwerbsarbeit Aufgaben in Familie und Haushalt (Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen) zu übernehmen, andererseits braucht es Angebote zur „Auslagerung" der Haus- und Familienarbeit. Meine Frau und ich haben uns gut organisiert, sodass wir beide Familie und Berufsleben vereinbaren können. Die Familie bedeutet mir enorm viel. Wir verbringen viel Zeit zusammen. Es muss auch als Bundesrat möglich sein, ein Familienleben zu führen.»

 

Doris Leuthard, Bundesrätin

«Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine politische Priorität unseres Landes. Die Gründe dafür sind vielfältig und betreffen nicht nur unsere Gesellschaft sondern auch unsere Wirtschaft. Zu nennen sind unter anderem die Förderung des Wirtschaftswachstums, das gute Funktionieren des Arbeitsmarktes und die bessere Ausschöpfung des vorhandenen Humankapitals. Die Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Realisierung von Fortschritten in diesem Bereich, vor allem durch die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen. Eine Unternehmensführung, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie berücksichtigt, bringt viele Wettbewerbsvorteile: Eine breitere Verteilung der Verantwortlichkeiten und Fachkenntnisse reduziert die Risiken für das Unternehmen. Die höhere Motivation und die grössere Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden steigert ihre Produktivität. Weniger Abwesenheiten und eine geringere Fluktuationsrate erlauben eine Senkung der Kosten für Personalsuche und Einarbeitung. Familienfreundliche Massnahmen erhöhen die Attraktivität des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt.»

 

Philipp Müller, Präsident FDP Schweiz

«Teilzeitjobs für Männer sind eine wirtschaftliche Notwendigkeit, weil es mehr Frauen den Zugang zur Arbeitswelt ermöglicht. Das Rad der Zeit ist nicht aufzuhalten. Die Wirtschaft ist gefordert, freiwillig mehr Teilzeitstellen anzubieten. Die Bedürfnisse der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind zusammenzubringen. Das geht oft über Teilzeitarbeit. Und hilft, eine Lücke zu füllen. Es gibt zunehmend mehr Unternehmen, die sagen, dass Teilzeitarbeitende motiviert sind und vollwertig. Für Firmen ist es sehr spannend, gute Arbeitgeber zu sein. Solche, die Teilzeit anbieten können, werden interessante Arbeitgeber sein. Es geht um handfeste ökonomische Vorteile. Schweizer Unternehmen haben Fantasie. Wenn sie erfolgreich sein wollen, müssen sie die Chance packen. Teilzeit ist am Kommen.»

 

Martin Graf, Zürcher Regierungsrat

«Die Firmen sind aus ganz eigennützigen Beweggründen an guter Vereinbarkeit zwischen Jobs und Privatleben interessiert. Die aktuellen Zahlen des Universum Swiss Student Survey 2013 zeigen das folgende Bild: 65% der Berufseinsteigerinnen und 45% der Berufseinsteiger nennen als oberstes Karriereziel eine ausgewogene Work-Life-Balance. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Betreuung von Kindern. Es geht um Erholung, privates Engagement oder zunehmend um das Bedürfnis, sich um betagte Angehörige zu kümmern. Wenn ein grosser Teil des Nachwuchses in diesem Punkt mehr Wahlfreiheit will, müssen wir uns wegen weiterer Erfolge bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatem keine Sorge machen. Das Umdenken findet statt.»

 

Sybille Sachs, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft Zürich

«In vielen Firmen ist Teilzeit zwar theoretisch möglich, in der Realität aber nicht erwünscht. Ein Umdenken muss stattfinden. Teilzeit-Arbeitnehmer entwickeln soziale Fähigkeiten, die für die neue Management-Generation essentiell sind.»

 

Joseph Deiss, ehemaliger Bundesrat

«Unternehmen, die etwas tun, um Arbeitswelt und Familie in Einklang zu bringen, haben es leichter, qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte an sich zu binden. Volkswirtschaftlich wirkt sich eine solche Strategie günstig auf den Arbeitsmarkt aus und fördert das Wirtschaftswachstum. Es höchste Zeit, das Vorurteil aus dem Weg zu räumen, dass familienfreundliche Massnahmen zwangsläufig kostspielig seien: Beispielsweise bei der Arbeitszeitorganisation oder den verschiedenen Arbeitsformen (Telearbeit, Job-Sharing) können gute Lösungen zu geringen Kosten realisiert werden.»

 

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands

«Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für eine moderne, zukunftsorientierte Volkswirtschaft unerlässlich. Mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen positionieren sich Unternehmen als fortschrittliche Arbeitgeber.»

 

Susanne Ruoff, Post-Konzernchefin

«Natürlich ist es möglich, eine Führungsposition ohne Vollzeitpensum auszuüben. Es ist ein volkswirtschaftlicher Unsinn, dass wir so viele Frauen ausbilden und dann deren Wissen nicht nutzen. Ich fördere Teilzeit ganz bewusst – übrigens auch bei Männern. Man sollte nicht immer nur von Frauenförderung sprechen, sondern auch die Männer einbeziehen.»

 

Guy Morin, Regierungsrat Basel

«Lange unbeantwortet blieb die Frage: Lohnt es sich für Unternehmen auch finanziell, in familienfreundliche Massnahmen zu investieren? Auf Initiative des Gleichstellungsbüros hat die Prognos AG elf Unternehmen mit Sitz in Basel-Stadt und Baselland untersucht und anschauliche Best-Practice-Beispiele der beteiligten Firmen dargestellt. Das Resultat dieser ersten regionalen Kosten-Nutzen-Analyse ihrer Art lässt sich sehen! Der Nutzen – insbesondere Einsparungen durch geringere Personalgewinnungskosten – übersteigt die Kosten für ein geeignetes Paket familienorientierter Massnahmen bei weitem. Ich bin zuversichtlich, dass durch die Ergebnisse dieser Studie zahlreiche Unternehmen dazu ermutigt werden, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu fördern.»

 

Baschi Dürr, FDP-Regierungsrat in Basel

«Es geht um die gesamte Kinderbetreuung. Das mache ich seit zwei Jahren jeweils an einem halben Tag, und ich möchte es als Regierungsrat beibehalten. Es kann sein, dass sich ein solches Arbeitszeitmodell tatsächlich nicht mit dem Regierungsratsamt vereinen lässt. Aber ich will es auf jeden Fall versuchen. Ein solches Modell muss in jedem Job grundsätzlich möglich sein.»

 

Lucrezia Meier-Schatz, CVP-Nationalrätin und Geschäftsführerin von Pro Familia

«Die Zeit arbeitet für die Teilzeit-Männer. Es zeichnet sich ein Arbeitskräftemangel ab, und die junge Generation ist sehr mobil. Die Unternehmen können es sich im Kampf um die besten Köpfe nicht leisten, den Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen einfach zu ignorieren.»

 

Matthias Mölleney, ehem. Swissair-Personalchef, heute Inhaber einer Beratungsfirma

«Eine gut funktionierende Gesellschaft braucht beides: ein gutes Management auf der Makroebene der Industrie und ein ebenso gutes Management auf der Mikroebene der Familien. Am Ende geht es um die erbrachte Leistung. Deswegen ist es wichtig, die dazu passenden Arbeitsbedingungen zu schaffen. Die Annahme, dass gute Leistungen nur in einem bestimmten Präsenz-Korsett erbracht werden können, und die Geringschätzung eines familiären Engagements gehören heute, im 21. Jahrhundert, nicht mehr zu den leistungsfördernden Bedingungen.»

 

Corine Mauch, SP-Stadtpräsidentin von Zürich

«Der Stadtrat setzt vor allem bei Teilzeitpensen an. Schon heute ist Teilzeitarbeit in Kaderpositionen bei der Stadt möglich. Das ist eine der wichtigsten Errungenschaften, um Frauen und Männer in Kaderstellen zu fördern. Sie erlaubt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Es gibt bereits Männer und Frauen an der Spitze, die lediglich 80 oder 90 Prozent arbeiten.»

 

Marco Menotti, Leiter Banking Products der UBS Schweiz

«Ich habe eine spannende Erfahrung gemacht: Teilzeitarbeit zu 80% ist ein sehr guter Deal – sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer. Wer zu 80% arbeitet, ist in der Lage, ein fast 100%-iges Pensum zu übernehmen. Dies mit einer effizienteren Arbeitsweise. Leute, die Teilzeit arbeiten, finden den Shortcut, bringen die Arbeit besser auf die Reihe. Grundsätzlich gilt: Der Output zählt. Hier haben Teilzeitarbeitende die Nase vorn.»

 

Remo Largo, früherer Kinderarzt, heute Buchautor

«Ein Grossteil der Männer beziehen ihren Selbstwert immer noch aus der Arbeit. Deshalb stecken sie ihre ganze Energie in die Karriere. Natürlich gibt es auch Väter, denen die Familie genauso oder noch wichtiger ist. Aber sie sind eine kleine Minderheit. Die Männer müssen umdenken und ihre Selbstbestätigung nicht nur im Beruf suchen. Das heisst, auch die Wirtschaft muss umstellen: Heute wird ein Vater, der am Arbeitsplatz sagt, er gehe früher heim aus Rücksicht auf die Familie, diskriminiert. Er wird keine Karriere machen. Eine Frau muss ihrem Mann ihre Bedingungen stellen, damit auch er mehr Zeit in die Familie investiert. Einer der häufigsten Gründe für die vielen Scheidungen ist, dass der Vater nie da ist.»